
Was für ein Wahnsinn! Die deutschen Turffans, die sich für Dienstagmorgen den Wecker gestellt hatten, waren begeistert, denn in einer wahren Gala gewann der von Andreas Wöhler für die Narola Stables und Australian Bloodstock trainierte Monsun-Sohn Protectionist vor ca. 100.000 Zuschauern den mit 6,2 Millionen AUS-Dollar dotierten Melbourne Cup (Gr.I) in Flemington. Nach einem fantastischen Ritt von Weltklassejockey Ryan Moore gewann der vierjährige Monsun-Sohn das größte Rennen Australiens überlegen gegen den von Ed Dunlop trainierten Red Cadeaux und den Außenseiter Who Shot Thebarman. Als 86:10-Chance gestartet, sah man den deutschen Vertreter in „The Race, that stops a Nation“, zunächst im hinteren Teil des Feldes.
In einer schnellen Fahrt, am Ende kam eine der schnellsten Zeiten in der Geschichte des 3200 Meter-Rennens heraus, führte zunächst der Außenseiter My Ambivalent vor dem Favoriten Admire Rakti. Protectionist lag an der Innenseite im Feld von 22 Pferden (Cavalryman und Sea Moon waren Nichtstarter) in etwa an vierzehnter, fünfzehnter Stelle. In der Zielgeraden änderte sich das Bild aber, als die vorderen Pferde schnell geschlagen waren, und die Speedpferde auf den Plan traten.
An der Innenseite war Mitte der Zielgeraden der Oldie Red Cadeaux (Gerald Mosse) vorne, doch längst hatte auch Ryan Moore eine Lücke für Protectionist gefunden, und es war atemberaubend, wie der Monsun-Sohn beschleunigte. Dass er etwas abbekommen würde, konnte man früh erkennen. Doch es war mehr, viel mehr, als das. Protectionist packte so stark an, dass er bereits an der 200 Meter-Marke an Red Cadeaux vorbei an die Spitze stürmte. Von da an wurde das Millionenrennen eine einzige Gala des deutschen Gastes, der sich noch überlegen von den Gegnern löste und mit drei Längen Vorsprung gewann. Alle, die auf einen solch leichten Erfolg von Protectionist gesetzt hatten, wurden belohnt: RaceBets zahlte in einem Spezial 180:10 darauf, dass es zwei oder mehr Längen werden würden.
Für den bereits neun Jahre alten Red Cadeaux blieb somit wie bereits im vergangenen Jahr und in der Saison 2011 nur der zweite Platz in diesem Monstre-Rennen. Dritter wurde Who Shot The Barman vor dem Leichtgewicht Signoff, während die Ex-Deutschen Araldo und Seismos auf den Plätzen sieben, bzw. neun landeten. Der hochgehandelte japanische Favorit Admire Rakti ging im Einlauf völlig unter und kam als Letzter über die Linie. Für den von Tomoyuki Umeda trainierten Heart’s Cry-Sohn, der vor zehn Tagen noch den Caulfield Cup gewann, endete der Start im Melbournbe Cup dramatisch, denn nach dem Rennen kollabierte er und war nicht mehr zu retten.
Pech hatte auch der sechsjährige High Chaparral-Sohn Araldo aus Hof Ittlinger Zucht, der im Ziel einen respektablen siebten Platz belegt hatte. Beim Zurückgehen scheute er vermutlich vor der Fahne eines Kindes, wie berichtet wird, und brach sich ein Bein. Aktuell ist er in Behandlung von Tierärzten, die versuchen sein Leben zu retten.
Es war ein erneuter Glanztag für die deutsche Vollblutzucht und eine fantastische Leistung von Trainer Andreas Wöhler, seinem Team und Jockey Ryan Moore, der nach der Cox Plate, die er vor zehn Tagen mit Adelaide für sich entschied, nun auch zum ersten Mal den Melbourne Cup gewann. Bereits im vergangenen Jahr hatte mit Fiorente ein Monsun-Sohn dieses Superrrennen gewonnen.
„Das ist unglaublich. Ryan hat einen fantastischen Ritt hingelegt, hat soviel Geduld bewiesen und dann die Lücke gefunden. Das Rennen war schnell gelaufen, was ihm entgegen kam, denn er ist ein richtiger Steher. Das ganze Team hat einen tollen Job gemacht, es ist toll, ein Teil dieses großartigen Rennens zu sein“, freute sich Andreas Wöhler nach dem Rennen. Auch Dr. Christoph Berglar, der Züchter und Mitbesitzer von Protectionist, war natürlich überglücklich. „Ich bin zum ersten Mal in Melbourne, das ist ein unvergesslicher Tag. Dank an den Jockey und meinen Trainer für diesen Sieg“, so Berglar. Begeistert war natürlich auch Ryan Moore von Protectionist. „Er ist ein fantastisches Pferd mit einer tollen Beschleunigung und großem Stehvermögen“, so Moore nachdem er ein Stück deutsche Turfgeschichte geschrieben hatte.
